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DFG-VK OG Kassel

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Waffenherstellung / Rüstungsindustrie in Kassel

Vorbemerkung: Auf dieser Seite konzentrieren wir uns auf ein Verständnis von Rüstungsindustrie im engeren Sinne, im Sinne von Herstellung militärischer Ausrüstung und Munition. Güter mit doppeltem Verwendungszweck („dual use goods“ / „dual use items“) liegen nicht im Focus.

Wie groß der Anteil des Rüstungsgeschäfts in Deutschland eigentlich ist, lässt sich nur schätzen. Einer Umfrage Anfang des Jahres 2026 der ‚Deutschen Industrie- und Handelskammer‘ zufolge produzieren 2,5 % der Industriebetriebe militärische Güter, 6,9 % fertigen Güter, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können und weitere 7,6 % sehen sich als Zulieferer. Der ganze Industriezweig ist also kleiner, als er den Eindruck macht.

Andererseits beobachten wir hier ein Geschehen, das wir von einer Schar Spatzen kennen, die einen Haufen Körner entdeckt. Die Anzahl der Unternehmen, die sich selbst zur Rüstungsindustrie zählen, stieg von 250 (Anfang 2024) auf 550 (Anfang 2026).

In und um Kassel herum befindet sich eines der wichtigsten ‚Rüstungs-Cluster‘ Deutschlands.

Die Steuereinnahmen der Stadt Kassel hängen z. T. von der Rüstungsproduktion ab. Dies wird indirekt sichtbar durch die Entwicklung der Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Die Einnahmen im Jahre 2026 werden voraussichtlich bei 234 Mio. Euro liegen, das bedeutet eine Steigerung um 78 % im Vergleich zu 2025. Natürlich sind 4200 Firmen gewerbesteuerpflichtig und das Steuergeheimnis versperrt eine direkte Zuordnung. Aber es ist bekannt, dass die Rüstungsindustrie in Kassel in den Jahren 2025 und 2026 einen großen Aufschwung erlebte.

Mehr als ein Jahrhundert lang prägte die Firma Henschel ( zeitweise „Henschel & Sohn“ oder „Henschel-Werke“ ; ab 1964 als AG ) die Kasseler Industrie, vielleicht sogar die ganze Stadt Kassel. KNDS und Rheinmetall sind nicht deren Rechtsnachfolger, aber sie bedienen die selben Kunden und ihr Beschäftigtenstamm ist weitgehend ähnlich. Henschel entwickelte ab 1960 einige Prototypen für den damals geplanten „Schützenpanzer Marder“. Für den Bau des „Marders“ wurde 1969 der Serienvertrag unterschrieben. Er beinhaltete die Lieferung von 2136 Stück des Panzers. Gebaut wurde er allerdings nicht von Henschel, sondern von den Firmen „Rheinstahl“ (Witten) und „Maschinenbau Kiel“.

Die gegenwärtig bedeutsamsten Rüstungsbetriebe in Kassel sind:

(1)    KNDS N.V. (KMW and Nexter Defense Systems)

ehemals: Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (KMW)

KNDS ist ein französisch-deutsches Unternehmen mit Sitz in Amsterdam.
Es steht auf dem 10. Platz der großen europäischen Rüstungshersteller: ca. 3,3 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr (2023) und ca. 9500 Beschäftigte. Das Unternehmen entstand 2015 zur Hälfte aus dem staatseigenen französischen ‚Nexter‘ (der Hersteller des Panzers ‚Leclerc‘) und zur anderen Hälfte aus dem deutschen Rüstungsunternehmen KMW. Der Sitz des deutschen Zweiges der Firma befindet sich im Münchener Stadtbezirk Allach-Untermenzing.

KNDS produziert zu 100 % Rüstung. Der KNDS-Umsatz in Deutschland im Jahre 2021 betrug 1,4 Mrd. Euro. Allein in Kassel gibt es ca. 2400 Beschäftigte, darunter ca. 350 Entwickler / Ingenieure.

Der Name „Krauss-Maffei Wegmann“ ist inzwischen konsequent durch KNDS ersetzt worden.

Wolfhager1

KNDS hat in Kassel (einschl. der Vororte) vier Standorte:
(1) Wolfhager Straße 32-40 (Bild oben)
Nur 200 m Luftlinie von der Uni entfernt in der Wolfhager Straße auf der rechten Seite, hinter einer langen Plakatwand.

(2) August-Bode-Straße 1 (Bilder oben)
(3) Wolfhager Straße 69
Die Gebäude liegen zwischen den beiden anderen, auf der linken Seite, stadtauswärts gesehen, an der Ecke Reuterstraße. In diesem Standort werden die Kabelbäume zusammengefügt.

(4)  Gewerbegebiet Ihringshausen-West in Fuldatal

Die letzte hier verfügbare Gewerbefläche (das Gelände neben dem Standort der Bundespolizei an der Niedervellmarschen Straße) ist inzwischen mit drei zusammenhängenden Hallen bebaut worden. Das Grundstück ist mit NATO-Stacheldraht umzäunt. Bauherr – und nun auch Vermieter – ist die Firma Rudolph Logistik, Gudensberg. Seit dem 1. April 2025 mietet KNDS diese ca. 28 000 qm und betreibt dort sowohl ein weitgehend automatisiertes Hochregallager, als auch ein Großteillager.

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Genau die Hälfte der Anteile an KNDS (sozusagen die „deutsche Hälfte“) gehören Mitgliedern der Familien Bode, Sethe, Glinicke und von Braunbehrens. Die deutschen Eigentümer fungieren als stille Teilhaber. Zusammengelegt ergab das Vermögen dieser Familien im September 2023 den Wert von 1,8 Mrd. €. (Im Vorjahr lag der Wert noch bei 1,3 Mrd. €.) In der Rangliste der Reichsten ergab das den Platz 133 – nach der Zählweise des ‚manager magazins‘ vom Oktober 2023.

Felix Bode (Jahrgang 1971) ist offenbar der einzige aus den o.g. Familien, der über sein Eigentum auch mitbestimmt. Er ist vertretungsberechtigt für das Unternehmen und gehört dem zehnköpfigen „Board of Directors“ der KNDS N.V. an.

Der französische Anteil an KNDS (sozusagen die „französische Hälfte“) gehört seit langem dem französischen Staat. Seit dem April 2025 ist Jean-Paul Alary der Vorstandsvorsitzende von KNDS. Im Mai 2026 wurde bekannt, dass die Bundesrepublik Deutschland 40% der Geschäftsanteile, das heißt fast die gesamte „deutsche Hälfte“, übernehmen wird. Damit wird auch der deutsche Anteil umfassender staatlicher Lenkung unterliegen. Die ungewöhnliche bisherige Eigentümerstruktur (Stichwort: stille Teilhaber) wird damit im Laufe des Jahres 2026 geändert. Die Familien Bode, Sethe, Glinicke und von Braunbehrens wollen/sollen verkaufen. Andersherum wird der französische Staat seine Anteile auf 40 % reduzieren. Dadurch werden rechnerisch 20 % der Anteile außerhalb des staatlichen Besitzes bleiben – und voraussichtlich an typische Shareholder verkauft werden. Denn die Firma KNDS N.V. soll in eine AG umgewandelt werden („an die Börse gehen“).

Eine Minute für Isabel Glinicke , eine Berufsschullehrerin aus Kassel bzw. Baunatal (Jahrgang 1971).


Produkte:

  • Instandsetzung und Modernisierung des Kampfpanzers Leopard 2; in der Selbstbezeichnung heißt dies: „Kampfwertsteigerung“. Das ist insbesondere vor dem (bzw. für den) Export bedeutsam.
    Umbau des Leopard 2 zum ‚Leopard 2 A7+‘ (spezialisiert für den Häuserkampf).
  • Türme und Kabelbäume für den Puma und Leopard, auch für die Leopards, die Rheinmetall produziert.
  • Umbau des Leopards zum ‚Kodiak‘: auf die Wanne des ‚Leopards 2 A4‘ wird ein Pionierpanzer gesetzt (Knickarmbagger, Planierschild); dieser kann bei Bedarf vollständig ferngesteuert werden.
  • Panzerhaubitze 2000 – und deren Nachfolger AGM
  • Panzerspähwagen Fennek
  • Brückenlegepanzer Leguan
  • Modernisierung des us-amerikanischen Raketenwerfers MARS
  • Teile bzw. Teiltranchen der Radpanzer Fuchs 2 und Boxer, und des Kettenpanzers Puma
  • ab 2027 Produktionsstart des Schützenpanzers Schakal, insbesondere dessen Turm, der mit dem Turm des Puma übereinstimmt; der Schakal soll den Marder ablösen

Für das Jahr 2040 ist ein neues, dann erst einsatzbereites „Main Ground Combat System“ geplant. Der deutsche und der französische Zweig von KNDS haben die Absicht, dann daran mit zu verdienen. Das Konzept des MGCS sieht vor, dass ein bemannter „Zentralpanzer“ von einer Schar von Roboterpanzern umschwärmt wird. KNDS besitzt seit Juni 2021 24,9 % der Anteile der estnischen Firma „Milram“, einem Spezialisten für unbemannte Bodenfahrzeuge. Um auch in den rund 15 Jahren bis zur Serienreife eines MGCS Profit zu machen, hat KNDS den Leopard-Panzer zum Typ „Leopard 2A-RC3.0“ bzw. „Leopard 3“ weiterentwickelt – jetzt mit einem unbemannten Turm. Die „französische Hälfte“ des Konzerns entwickelt derweil den Panzer MBT Vision 2032.

Das KNDS-Hauptstadtbüro befindet sich am Berliner Platz in Berlin.

Der Augsburger Panzergetriebehersteller ‚Renk Group AG‚ ging 2024 an die Börse und KNDS erwarb einen Anteil von 25,1 % des Unternehmens, da es einer seiner wichtigsten Zulieferer ist.

(2)   Rheinmetall Defence als Zusammenlegung von
Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (RMMV) und Rheinmetall Landsysteme GmbH (RLS)

Henschelplatz, 34127 Kassel

Rheinmetall ist nach Airbus (eine deutsch-französische Firma, die deswegen teilweise anders gelistet wird) der zweitgrößte deutsche Rüstungskonzern. Im Jahre 2021 betrug allein sein Umsatz mit Rüstungsgütern 4,2 Mrd. Euro. Der Rüstungsumsatz liefert dabei ca. zwei Drittel des Konzernumsatzes. Für den Rheinmetall-Konzern ist Kassel der größte Standort für die Produktion (einschließlich der Kampfwertsteigerung) von Rad- und Kettenpanzern. Dieser Standort zählt ca. 2200 Beschäftigte (Firmenangabe).  Rheinmetall ist mit rund 40 Standorten über ganz Deutschland verteilt.

Rheinmetall beschäftigt insgesamt rund 33.700 Menschen an 167 Standorten und Produktionsstätten in weltweit 28 Staaten. 4000 zusätzliche Mitarbeiter:innen kamen allein im Jahre 2023 hinzu. In der Sichtweise des Friedensforschungsinstituts SIPRI ist Rheinmetall im Jahr 2024 auf Rang 20 der größten Rüstungskonzerne der Welt aufgerückt. 2023 nahm die Firma noch den Platz 26 ein.

Die Ursprünge des Konzern liegen im Jahre 1889. Im Zweiten Weltkrieg war Rheinmetall ein Teil der ‚Reichswerke Hermann Göring‘. Im Jahre 2024 wird der Gesamtwert des Konzerns auf rund 23 Mrd. Euro geschätzt, ein höherer Wert als z.B. die Volkswagen AG (20 Mrd. Euro).

Die US-Börsenaufsicht SEC kennt und nennt öffentlich 280 staatlich erfasste Aktionäre der Rheinmetall AG. Hierbei werden nicht die Privatpersonen erfasst, sondern eben nur Investmentgesellschaften und andere institutionellen Anleger, die zusammen gut zwei Drittel aller Anteile halten. Nach der Größe der Anteile gestaffelt sind es (in dieser Reihenfolge): Blackrock, Wellington, Fidelity, Harris Associates, John Hancock, Capital Group, Vanguard, EuroPacificGrowth Fund, LSV und außerdem die Großbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, UBS aus der Schweiz und Société Générale aus Frankreich. Wenn die Herkunft der von der Börsenaufsicht erfassten Anleger betrachtet wird, halten die Anleger aus Nordamerika etwa 37% der Anteile, während auf Europa nur 21% der Anteile entfallen. Von den Besitzverhältnissen her ist Rheinmetall dadurch im Kern US-amerikanisch und deswegen nur eingeschränkt eine ‚deutsche‘ Firma. Bedeutungsvoll wird dies, weil somit die Wahrscheinlichkeit gering bleibt, dass die Aktiengewinne arbeitsplatzwirksam in Deutschland re-investiert werden. Und das Argument, dass es eine eigenständige europäische Rüstungsproduktion gäbe, die möglicherweise sogar ihre Unabhängigkeit gegenüber US-Firmen erweitert, fällt in sich zusammen.

Unscheinbar im Industriepark Mittelfeld nördlich des Hauptfriedhofs (die Holländische Straße raus, dann auf der linken Seite), allerdings dort mit einer großen Panzerteststrecke. U. a. dient diese Panzerteststrecke auch der Anwerbung von Fachkräften: Interessenten und Bewerber können – als kostenlose „Testfahrt“ in einem Spezialfahrzeug deklariert – selber einen Fuchs-Transportpanzer fahren.

Die Firma darf 50 Minuten pro Tag sogar die besonders lärmintensiven Kettenpanzer auch mit Hochgeschwindigkeit testen. Zusätzlich zu den beiden vorhandenen Ovalen wurde 2020 begonnen, eine kreisförmige Teststrecke von 50 Metern Durchmesser für den „Boxer“ und den „Fuchs“ hinzu zu bauen.

Produkte:

  • Radpanzer Boxer
  • Instandsetzung und Modernisierung des Schützenpanzers Marder (für den Krieg in der Ukraine)
  • ab 2027 Produktionsstart des Schützenpanzers Schakal, insbesondere dessen Fahrgestell, das mit dem Fahrgestell des Boxers übereinstimmt; der Schakal soll den Marder ablösen
  • Schützenpanzer Lynx
  • Transport-Radpanzer ‚Fuchs 2‘ , einschl. der Spezialvarianten zur Erkennung von ABC-Waffen bzw. als Fahrwerk für ein mobiles Radar
    • (Zeitweise war der „Fuchs“ das Hauptprodukt des Kasseler Werkes.)
    • (auch die Baugruppen für den ‚Fuchs 2‘, der in Algerien zusammengebaut wird, kommen aus Kassel)

  • Fahrgestelle für die Panzerhaubitze 2000
  • Bergepanzer Büffel
  • Polizei- und Führungs-Panzerwagen ‚Survivor R‘
  • wie auch bei KNDS baut Rheinmetall den Pionierpanzer ‚Kodiak‘ auf der Plattform des Leopards
    (in Kassel werden weniger die Endprodukte, sondern eher Baugruppen gefertigt)
  • Teile bzw. Teiltranchen des Kettenpanzers Puma
  • viel Umsatz erbringt Instandsetzung, Modernisierung und Generalüberholung der o.g. Kriegsgeräte („Kampfwertsteigerung“)
Firmengelände und Teststrecke von Rheinmetall
Firmengelände von Rheinmetall in der Kasseler Nordstadt (Mittelfeld)

  

Luftfoto der Panzerteststrecke
Firmengelände von Rheinmetall in der Kasseler Nordstadt (Mittelfeld)

Aus den Sonderschulden der Bundesregierung (das sogenannte Sondervermögen) von 100 Mrd. Euro will Rheinmetall rund 38 Mrd. Euro für neue Aufträge an Land ziehen.

Ähnlich wie KNDS beginnt auch Rheinmetall mit der Entwicklung für das ab 2040 geplante „Main Ground Combat System“. Auch für die rund 15 Jahre Zwischenzeit, bis zur Serienreife eines MGCS, hat Rheinmetall einen neuen Panzer mit einem unbemannten Turm im Angebot: Im Juni 2022 stellte die Firma ihre Konzeption unter dem Namen „Kampfpanzer Panther KF51 CUT“ der Öffentlichkeit vor. Ungarn finanziert mit 288 Mio. Euro die Entwicklungskosten bis zur Serienreife. Dazu wurde ein Joint-Venture-Unternehmen mit Anteilen von Rheinmetall und der ungarischen Staatsfirma N7 gegründet.

Rheinmetall ist – global gesehen – unter den Rüstungskonzernen die Nummer 20. In 2024 wurde in Rom und La Spezia zusammen mit dem italienischen Konzern Leonardo – bislang Nummer 14 der Weltrangliste – das Gemeinschaftsunternehmen LRMV (Leonardo Rheinmetall Military Vehicles) gegründet. Des Weiteren hat Rheinmetall den US-Fahrzeugspezialisten Loc Performance Products übernommen. Der Deal erweitert die Rheinmetall-Kapazitäten in den USA, die der Konzern benötigt, um Aufträge für den Bau von Schützenpanzern und Militär-Lkw für die US-Streitkräfte zu erhalten.


Rheinmetall errichtet einen weiteren neuen Standort ein bisschen nördlich von Kassel, und zwar in Calden am alten Flugplatz.

Im August 2026 hat die Firma angekündigt, dort am alten Flughafen ein neues großflächiges Logistik-Zentrum (Lager, Büros und Schulungszentrum) entstehen zu lassen. Die Nutzfläche soll 30.000 qm umfassen, also in etwa die Größe der KNDS-Hallen im Gewerbegebiet Ihringshausen-West in Fuldatal. Außerdem soll dort die Drohnenentwicklung von Rheinmetall zentriert werden (Drohnentestzentrum). Nach dem Ausbau (Ende 2027) sollen dort wohl 130 Beschäftigte arbeiten.

Nebenan, nämlich etwa 2 km entfernt am neuen Flughafen, entsteht im selben Zeitraum ein Drohnenkompetenzzentrum, das das Land Hessen zusammen mit der TU Darmstadt dort einrichtet. Der Containerbau soll Ende 2026 fertiggestellt sein.


Nördlich von Celle, nahe Unterlüß, besitzt die Firma Rheinmetall ein großes Areal mit Fertigung, Test- und Versuchsgebiet. Dieser Standort von Rheinmetall ist mit ca. 50 qkm Fläche das größte private Test- und Versuchsgelände in Europa; es hat fast die Größe eines Truppenübungsplatzes. Von der Fläche her sind die Städte Offenbach, Konstanz und Stralsund jeweils etwa gleich groß.

Rheinmetall produziert in Baden-Württemberg das Marinegeschütz MLG-27, das u.a. auch auf nicht-deutschen Korvetten verbaut wird. Die Vereinigten Arabischen Emirate setzen ihre Korvetten (einschl. der Rheinmetall-Geschütze) im Jemen-Krieg ein, um den Seezugang Jemens zu blockieren. Gerade auch diese Blockade hat zur Folge, dass jetzt mindestens 17 Millionen Menschen von humanitärer Hilfe abhängig sind. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt zur Zeit, inwieweit Rheinmetall dadurch Beihilfe zu Kriegsverbrechen leistet. (Welt am Sonntag, 05.03.2023)

(3)    PSM (Projekt System & Management GmbH); Joint Venture von Rheinmetall und KNDS

Wilhelmshöher Allee 262  (Büro, nicht Produktion)

PSM dient der Entwicklung, Planung und Auftragsabwicklung des Schützenpanzers Puma. PSM wurde 2002 gegründet, die Serienproduktion des ‚Puma‘ begann 2015; bei KNDS (damals KMW) und Rheinmetall in Kassel wurden ca. 180 Stück der insgesamt 350 ‚Pumas‘ der Bundeswehr hergestellt. Im Februar 2022 galten nur noch 40 Stück davon als „kriegstauglich“. Eine bessere „Feuerkraft und Führungsfähigkeit“ sollte erst noch nachträglich hinzugefügt werden. Die Hersteller-Firmen sind damit bis 2029 beschäftigt. Im Dezember 2025 bestellte die Bundeswehr für 4,2 Mrd. Euro weitere 200 Stück. Entsprechend der Joint-Venture-Anteile werden also 2,1 Mrd. Euro an KNDS und 2,1 Mrd. Euro an Rheinmetall fließen. Die ersten Fahrzeuge dieser neuen Tranche sollen 2028 ausgeliefert werden.

Seit Juni 2026 entwickelt und plant die Firma PSM an dem neuen Konzept des Panzers „MBT Vision 2032“, der wohl eine höhere Chance hat hergestellt zu werden, als das visionäre „MGCS“ (Main Ground Combat System) des Jahres 2040. Also wollen Rheinmetall und KNDS diesen „MBT Vision 2032“ wohl gemeinsam herstellen.


(4)    EuroPULS GmbH , Joint Venture von Elbit Systems und KNDS

Firmenzentrale: Kassel

Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung und Vermarktung des Raketenwerfer-Artilleriesystems EuroPuls. 50 % der Anteile gehören KNDS (verantwortlich für die Feuerleittechnik); 50 % der Anteile gehören Elbit Systems (Hersteller der Ausgangsbasis, des Raketenwerfers PULS)

Das Artilleriesystem ist der Nachfolger das Systems „MARS 2“. Vorläufig bekommt die Bundeswehr 5 Startfahrzeuge, zeitlich gestaffelt sind insgesamt 250 Stück vorgesehen. 

Die Firma Elbit Systems, die größte israelische Rüstungsschmiede, liefert u.a. auch die zentralen Kommando- und Kontrollsysteme für den Iron Dome, den Deutschland gekauft hat,  das Abwehrsystem für kurze Distanzen bis 70 km. Kriegswichtigen Produkte dieser Firma sind u.a. auch Kommunikations- und Selbstschutzsysteme für verschiedene Schiffsklassen. Im August 2025 eröffnete Elbit Systems seinen vierten Standort in Deutschland (u.a. in Ulm), um sich „im ständigen Kontakt mit der Deutschen Marine um technische und vertragliche Belange im Kontext der seegehenden Einheiten“ zu kümmern. Dieser „vierte Standort“ wird geheim gehalten, anscheinend ist es Jever im Landkreis Friesland.

Die Firma Elbit Systems Deutschland betreibt ihren Lobbyismus ersichtlich und offen ( siehe Punkt 11 unter „Lobbyismus“ ).


Ende 2016 wurden Pläne von Rheinmetall bekannt, im Ort Karasu am Schwarzen Meer in der Türkei unter dem Namen „Rheinmetall BMC Suvunma Sanayi (RBSS)“ eine Panzerfabrik zu bauen. RBSS ist ein Gemeinschaftsunternehmen aus 40 % deutschem, 25 % türkischem, 25 % katarischem und 10 % malayischem Kapital. Rheinmetall selbst weigert sich, das Geschäftsfeld dieser „Fahrzeugfabrik“ zu nennen.

In der Ukraine wurde im Oktober 2023 eine weitere Rheinmetall-Produktionsstätte gegründet, die „Rheinmetall Ukrainian Defense Industry“, ein Gemeinschaftsunternehmen zusammen mit „Ukroboronprom“, dem ukrainischen Staatskonzern. Für den ukrainischen Militärexperten Oleksiy Melnyk bedeutet diese Vereinbarung nur den Beginn von weiteren deutsch-ukrainischen Rüstungskooperationen. („Gigantische Geschäftsmöglichkeinen“)

Die vier aufgeführten Betriebe in Kassel (KNDS, Rheinmetall, PSM und EuroPuls) haben z. Zt. zusammen rund 4600 Beschäftigte.

Sind 4600 Menschen viele oder wenige?  Zum Vergleich hier einerseits die Anzahl der Beschäftigten im City Point in der Kasseler Innenstadt, einer Einkaufgalerie. Dort sind 600 Personen beschäftigt. Und andererseits die 3500 Beschäftigten, die in Kassel Arbeitnehmer der Deutschen Bahn AG sind.


Das Geld, das mit Rüstung verdient wurde, war schlecht fürs Konzern-Image.


Der Krieg in der Ukraine ist für die Rüstungsindustrie verlockend.


weitere Zulieferer und Dienstleister im Rüstungsgeschäft


Das Handbuch Rüstung ist eine sehr gute Quelle, um sich über die enge Symbiose von Rüstungsindustrie und Politik selbst ein Bild zu machen.  


weiterführende Literatur zu Rüstungsbetrieben und zur Rüstungskonversion in Kassel 


Hauptseite zur Rüstungskonversion 

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