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Die Klima-Schädlichkeit des Ukraine-Krieges

Mit dem ökologischen Fußabdruck von Kriegen hat sich bislang noch kaum jemand beschäftigt

Das Militär ist global gesehen für etwa 5,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Die Zahl beruht auf einer Schätzung des Londoner Thinktank CEOBS (Conflict and Environment Observatory, zu Deutsch: Beobachtungsstelle für Konflikte und Umwelt). Wäre das weltweite Militär demnach ein eigener Staat, stünde es in der Rangliste der größten Treibhausgas-Emittenten an vierter Stelle – zwischen Indien und Russland. Ein besserer Vergleich: Die Luftfahrtbranche der Welt kommt laut Internationaler Energieagentur auf 2,2 Prozent aller CO2-Emissionen. Die Zahl 5,5 % beinhaltet aber nur das Militär quasi „in der Kaserne“, und eben nicht die Kriegsauswirkungen und auch nicht die Klimafolgen eines eventuellen Wiederaufbaus (nach Ende des Krieges).

Eine Studie der Initiative ‚GHG Accounting Of War‘ aus dem Juli 2023 gibt nun speziell Aufschluss über die Folgen des Ukrainekrieges für das Klima. Die Forschung wurde vom Umweltministerium der Ukraine gefördert. Der niederländische Klimaforscher Lennard de Klerk und sein Team untersuchten die Treibhausgasemissionen des ersten Kriegsjahres. Sie schätzen die Klima-Wirksamkeit – hier also die CO2-Bilanz – von 12 Monaten Krieg auf circa 119 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Sie berücksichtigten erstens die Emissionen aus direkten Kampfhandlungen und den dabei entstehenden Bränden. Zweitens verbrauchen militärische Fahrzeuge viel Sprit, und Truppen und Ausrüstung wurden über weite Strecken an die Fronten transportiert. Entsprechend erfasste das Team auch die Treibhausgase, die bei der Vorbereitung des Krieges entstanden sind. Drittens ist auch die Nachkriegszeit relevant für die Klimabilanz. Wenn wieder Frieden einkehrt, gilt es, zerstörte Gebiete wieder aufzubauen. Baumaßnahmen sind aber energieintensiv und verursachen hohe Emissionen. Aufgeschlüsselt sind es:

  • 21,9 Millionen Tonnen durch direkte Kampfhandlungen und militärischen Transport,
  • 17,7 Millionen Tonnen durch Brände,
  • 2,7 Millionen Tonnen durch die Migration von Geflüchteten sowie
  • 12 Millionen Tonnen durch Flugumleitungen wegen gesperrter Lufträume.
  • Besonders klimaintensiv wird der Wiederaufbau von Wohngebieten und der Infrastruktur sein, für die 50,2 Millionen Tonnen veranschlagt werden.
  • Die Sabotage der drei Stränge der Nord-Stream-Gaspipeline wird als größtes Einzelereignis mit 14,6 Millionen Tonnen verbucht.

Die Gesamtmenge an Klima-Schädlichkeit entspricht somit den jährlichen CO2-Emissionen Belgiens. (In Belgien leben 11,6 Millionen Einwohner, sein Bruttoinlandsprodukt beläuft sich auf 550 Mrd. Euro.) Oder eine andere Vergleichsmöglichkeit: in Deutschland emittieren alle vorhandenen Gebäude etwa dieselbe Menge an CO2  pro Jahr wie dieser Krieg.

als PDF zum Herunterladen: Deutschland Ukrainekrieg

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